UrbanGardening

#01 Urban Gardening

Im ersten Beitrag unseres Podcasts geht es um das spannende Thema Communitys und Urban Gardening.

Da hat doch schon vor 50 Jahren Ernst Schumacher mit Small is beautyful ein Buch geschrieben, in dem er so etwas gewünscht hat. Seine Sicht der Dinge ist heute wichtiger denn je. Es darf auf keinen Fall sein, dass man das Kapital, welches man hat, schonungslos vergeudet. Denn wir verbrauchen die Erde. Kein Unternehmen würde es lange überleben sein Kapital zu verbrauchen, ohne neues Kapital zu generieren. Und wir als Menschheit wohl auch nicht, wenn wir so weitermachen. Seine Sicht definiert z.B.:

  • Der Massenproduktion ohne Sicht auf das nachhaltige Kapital muss man neue Sichten gegenüberstellen, wie z.B.
  • Dezentrale kleinräumige und bedarfsgerechte Produktion
  • Es geht um die am ökonomischen Projekt beteiligten Menschen
  • Durch Nähe zum Produkt und der notwendigen Ressourcen wird wieder gelernt, dass es begrenzt ist.
  • Sinnstiftende Tätigkeiten stehen im Vordergrund
  • Und statt Optimierung von Güterproduktionen sollte möglichst gedeihliche Bedingungen für die Menschen erschaffen werden, die diese Güter benötigen und produzieren.

Noch nie hatten wir eine so große Auswahl an Nahrungsmitteln aus aller Welt zur Verfügung. Mit der täglichen Entscheidung zwischen Tofuschnitzel oder Rindersteak wird der Körper geformt und gleichzeitig ein Statement abgegeben. Doch eins wird dabei noch zu oft übersehen: Durch die Art unserer Ernährung beeinflussen wir Landschaft, Umwelt und Klima – und das weltweit.

Du bist, was du isst – Urban Gardening

Auf der Suche nach schon erschaffenen Projekten haben wir als erstes Urban Gardening mit Community Building ausgewählt. Vor allem in Großstädten ist Urban Gardening im Trend. Waren Schrebergärten früher als spießig verschrien, erleben sie jetzt als Gemeinschaftsgärten eine Renaissance. Vorreiter wie Singapur oder Paris erproben schon mit innovativen Methoden die Gemüseproduktion auf Hochhausdächern. In Kindergärten oder Schulen helfen Kräuterbeete oder Hühnermobile bei der Ernährungsbildung. In der „Essbaren Stadt Andernach“ wurden sogar quer durch die ganze Stadt öffentliche Grünflächen in Gemüse- und Obstgärten umgewandelt.

Urban Gardening
Gothams Green Rooftop (von der Webseite http://gothamgreens.com/

Gothams Green ist eine Initiative mit kommerziellem Hintergrund. Hier werden Flachdächer mit Glashäusern aufgestockt, um zuckerlastigen Amerikanern nachhaltige lokale Salate zu bedienen. Aus häßlichen Gebäuden werden nützliche . Die Technik ist großartig und durchdacht und für moderne städtische Anbausysteme „state of the art“. Es wird keine Erde benötigt, die Pflanzen wachen in Nährflüssigkeiten aus natürlichen Ressourcen. Es spart viel Wasser, weil Verdunstung extrem reduziert wird.

Bild aus der Webseite : https://dieurbanisten.de/

Die Urbanisten sind eine deutsche Initiative, die seit 1996 aktiv sind. Los ging es mit einem Gemeinschaftsgarten. Heute ist die Fokussierung auf Community und gemeinsames Gärtnern stark im Mittelpunkt und zeigt sich durch kreative Ideen wie man das erschaffen kann. Wer mehr wissen will oder mitmachen möchte: Der Youtube Kanal zeigt einige Beispiele.

Die Aktion GoForGrün hat in Kooperation von verschiedenen Institutionen und der RTW Aachen eine Broschüre herausgegeben: Hier gibt es umfassende Auskunft.

In Deutschland ist das nicht einfach.

Bei der Recherche wo es Urban Gardening in Deutschland gibt, wird man ein wenig traurig. Die Geschichten zeigen, dass unsere starre Vorschriftenstruktur solchen Projekte schwer zu schaffen macht. Doch die meisten Kollektive überleben und machen irgendwie anders weiter. Das ist großartig.
Der Prinzessinnengarten in der Berlin wurde irgendwann geteilt oder Bambis Beet, das direkt vor dem Theater als Protest gegen Zubetonierung erschaffen wurde, ist jetzt woanders. Das coole Gartendeck in Hamburg ursprünglich auf dem Dach eines Parkdecks zieht jetzt nach St Pauli um. Und so lesen sich die Geschichten ständig. Dabei hat Urban Gardening viele Vorteile:

Vorteile des Urban Gardenings

Sowohl die Stadt als auch die Bewohner profitieren von Urban Farming:

  • Soziale Gemeinschaftsbildung: Gemeinsame Anbauflächen helfen Menschen kennenzulernen und gemeinsam mit anderen sich auszutauschen und soziale Nähe zu erleben.
  • Bildung: Das von Schuhmacher beschriebene Prinzip, sich wieder mit der Erde in Verbindung zu setzen, damit man die Ressourcen nicht unnütz verbraucht, wird hier gelernt So kann man wieder lernen Lebensmittel wert zu schätzen.
  • Teilhabe: Die Stadt wird nicht nur von den Politikern geplant, sondern entsteht gemeinsam. Das Gefühl seine Stadt zu verbessern macht das Leben auch wieder lebenswerter.
  • Mobilisierung: Urban Farming hat das Potential, Sinne für sozial-ökologische Krisen, die auf uns zukommen zu schärfen.

Auch die Bauern

Zusammenschlüsse und Kooperationen gibt es nicht nur in den Städten, daher hier auch eine schöne Initiative „Ackercrowd (Arte-Video)“ – Zusammenschluss von Ökobauern und normalen Bauern um mit biodynamischen Methoden gemeinsam zu lernen mit den Veränderungen für die Felder klar zu kommen.

Bei einer kleinteiligen Landwirtschaft ist es viel besser möglich, an den Standort und das Klima angepasste Ackerfrüchte anzubauen. Zwischenfrüchte und die gemeinsame Kultur von sich unterstützenden Pflanzen schaffen ein lebendiges Ökosystem. Die Bodenfruchtbarkeit ist im Durchschnitt dauerhaft deutlich höher als auf den riesigen Monokultur-Flächen – das A und O für eine reiche Ernte!

„Solidarische Landwirtschaft fördert und erhält eine bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft, stellt regionale Lebensmittel zur Verfügung und ermöglicht Menschen einen neuen Erfahrungs- und Bildungsraum.“ (www.solidarische-landwirtschaft.org).

Noch relativ neu in Deutschland ist die Bewegung der Ernährungsräte. Sie kommt aus Nordamerika, wo schon vor über 30 Jahren „Food Policy Councils“ entstanden. 2016 wurden in Köln und Berlin die ersten hierzulande gegründet, jetzt sind es schon sieben und diverse weitere in Gründung. Die Gremien setzen sich für ein besseres Ernährungssystem in der eigenen Stadt ein. Als gleichberechtigte Partner arbeiten Bürger, Aktivisten, Politik und regionale (Land- Wirtschaft Hand in Hand. Sie wollen mit einer optimierten Nahrungsmittelversorgung die Lebensqualität der Bürger und ebenso die städtische Entwicklung verbessern – und dabei die Umwelt schonen. www.ernaehrungsraete.de

Ein schönes Beispiel aus meinem Wohnbereich ist das Konzept für Köln. Da stehen z.B. folgenden Themen auf dem Plan:

  • Bäuerlichen und genossenschaftlichen Landbesitz stärken
  • Vielfalt landwirtschaftlicher Betriebe erhalten
  • Lokale Märkte & Handel stärken
  • Regionalmarken stärken
  • Verpflegung in Schule und Kita neu ausrichten
  • Transport umweltfreundlich organisieren
    und weitere

Wir finden das eine gute Idee.

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